IRVING VILLEGAS
LÄUFT
17.04.2026–06.06.2026
Vernissage: Freitag, 17. April 2026, 19:00 Uhr
Laufzeit: 17. April 2026 bis 06. Juni 2026 / Eintritt frei
Öffnungszeiten: Jeden Samstag von 12:00 bis 15:00 Uhr
Finissage: Samstag, 06. Juni 2026 um 15:00 Uhr
Ausgangspunkt des Projekts ist eine Fotografie: der Vater des Künstlers auf einer Familienreise mit einem VW Käfer, in Mexiko liebevoll Vocho genannt, nach Acapulco in den 1980er-Jahren. Eine Fahrt voller Stopps, Zweifel und Improvisation – immer wieder wird geprüft, ob das frisch reparierte Auto wirklich durchhält. Diese Reise erzählt von Unsicherheit, von Lernprozessen und von tiefer Zuneigung. Der ehemalige Taxi-Käfer aus Mexiko-Stadt wird zum ersten Familienauto – und zu einem Symbol für Aufbruch und Veränderung.
Über Jahrzehnte hinweg hat sich der Vocho in Mexiko tief in das Gefüge des urbanen Lebens eingeschrieben – nicht nur als erschwingliches und verlässliches Fortbewegungsmittel, sondern als lebendiges Symbol im Rhythmus der Straßen. Seine deutsche Herkunft verblasst dabei oft im Hintergrund, beinahe aufgelöst in der alltäglichen Präsenz.
In dieser Ausstellung erscheint der Vocho nicht als bloßes dokumentarisches Objekt, sondern wird zum Knotenpunkt deutscher Industriegeschichte mit ihrer Transformation im mexikanischen Kontext, verknüpft persönliche Erinnerungen mit kollektiven Erfahrungen und öffnet einen Raum zwischen Herkunft und Gegenwart. Aus diesen Überlagerungen entsteht ein vielschichtiges Bild von Identität – geformt durch Migration, durch Aneignung und durch die fortwährende Bewegung zwischen zwei Kulturen.
Der Künstler arbeitet dabei mit analogen und digitalen Fotografien, Collagen und Archivmaterial, das er auf Märkten in Mexiko-Stadt entdeckt hat. Aus Bildern, die beinahe vergessen waren, entwickelt er so eine vielschichtige Ausstellung. Dabei geht es nicht darum, Vergangenheit festzuhalten, sondern ihre Veränderlichkeit ästhetisch erfahrbar zu machen.
LÄUFT lädt dazu ein, Erinnerung neu zu denken: nicht als etwas Festes, sondern als etwas, das sich ständig verändert – beeinflusst von Zeit, Distanz und neuen Perspektiven. Gleichzeitig erforscht das Projekt kulturell kodierte Bilder Mexikos, die als Klischee zirkulieren. Wiederkehrende und erkennbare Ikonographie werden als Untersuchungsmaterial reaktiviert und hinterfragt. Zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiven Gedächtnis entsteht eine Spannung, die das Projekt antreibt. In dieser Reibung zeigt sich, wie Identität immer wieder neu ausgehandelt wird.
Am Ende geht es nicht nur um ein Auto. Es geht um das, was es verbindet: Orte, Geschichten, Generationen – und die Frage, wie wir uns erinnern und zueinander in Beziehung setzen.
Dieses Projekt wurde unterstützt von der VG Bild-Kunst
Für die Ausstellung wird das Projekt zusätzlich vom Kulturbüro Hannover gefördert
Entwicklung und Scans der Fotografien von Online Lab