THE UNFRIENDLY GHOST
MARTIN GROBECKER
13.02.2026–04.04.2026
Vernissage: Freitag 13.02.2026, 19 Uhr
Laufzeit: 13.02.2026–04.04.2026
Öffnungszeiten: samstags 12–15 Uhr
Finissage: Samstag 04.04.2026, 15 Uhr
Martin Grobeckers Bilder loten jenen Geist des Gehässigen und Absurden aus, welcher spätestens mit der „Slopification“ des Cyberspace und der beschleunigten Zersetzung der materiellen Lebenswelt um sich greift. Aus jenem Schwall von Antiästhetik, destruktiven Kausalitäten des Alltäglichen destilliert der Künstler ein bildnerisches Konzentrat – zwischen Kitsch und vulgärem Schauer, zwischen flachem Kalauer und dunkler Poesie.
Grobecker entwirft düstere, sarkastische Szenerien, die wie Parabeln wirken, sich mittlerweile kaum noch vom aktuellen Weltgeschehen unterscheiden lassen. Figuren und Handlungen überfrachten das Bildformat. Die Überladung wird zur kalkulierten Zumutung für die Betrachter:innen. Grobecker erhebt die alltägliche Unübersichtlichkeit – im Großen wie im Kleinen – und die daraus resultierende Überforderung zum Stilmittel. Seine figurativen Szenarien sind überkomplex und verrätselt, doch ihre narrative Darstellung verfangen durch ihre rohe Direktheit, die nicht selten an das Vulgäre grenzt.
Hier begegnen sich Wiedergänger längst verdrängter Sitcoms, exhumierte Persönlichkeiten der jüngeren Vergangenheit, surreale Mischwesen und cartoonartige Fratzen. Es ist ein Zerrbild eines fortgeschrittenen Niedergangs ohne Rückfahrkarte. Auf den ersten Blick scheinen Motive und Referenzen willkürlich gewählt, entlehnt aus einem überreichen Fundus an Bildtraditionen: Mal bedient sich Grobecker des Stilmittels der klassischen Fabel und reichert diese mit präzisen Naturdarstellungen an, um dann schmerzbefreit in die Bildsprache flämischer Malerei zu wechseln. Das scheint beliebig, doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich ein Netz sorgfältig durchdachter Referenzen und Bildaussagen.
Ein weiteres zentrales Motiv ist die Ästhetik des Zerfalls, die als unheilvolle, metaphysische Kraft wirkt. Das Dargestellte entspringt einer düsteren Parallelwelt, in der die Natur als destruktive Konstante agiert. Um diese Wirkung zu beschreiben, entlehnt Grobecker den Begriff der „Entropie“ aus der Thermodynamik – nicht naturwissenschaftlich, sondern als philosophischen Spiegel, der die Vergänglichkeit jeder Ordnung und die Unausweichlichkeit des Verfalls reflektiert. Der Niedergang selbst ist absurd, wird jedoch durch den prätentiösen Kitsch der Figuren und Handlungen noch gesteigert.
Doch drängt sich da nicht der Verdacht auf, Grobeckers Positionen reihten sich in die bequeme Tradition bloßer Untergangsgesänge ein? Braucht es nicht mehr als einen nihilistischen Fußtritt in Bildform? Ist Grobecker letztlich nicht selbst nur ein destruktiver Mitesser, seine von Unterkomplexität und schlechter Laune ausufernde Ausstellung gar eine offene Kapitulation gegenüber der anhaltender Disruptionen? Oder verbrennt mitten im chaotischen Zerfall und sarkastischem Gelächter nicht doch so etwas wie ein plausibler Plan?
Text: Carsten Sauer